Malerei Gebrauchsgrafik Künstlerpuppen Textile Gestaltung

Künstlerpuppen

5. Tiuspiut, der Schamane

Im östlichen Sibirien, nah der Grenze zwischen Russland und China, lebt eine Volksgruppe, die man früher „Golden“ nannte, heute heißen sie Nanajer. Tiuspiut besitzt eine Trommel, deren Haltegriff innen als Geistergestalt geformt ist, und einen mit Leder bezogenen Schlegel. Auf dem Kopf trägt er eine Tiermaske eines dämonischen Rentiers. Sein Gewand ist aus Leder (Waschleder). Es ist mit Metallteilen in Form von Vögeln und menschlichen Gestalten behängt. Sein Herz schützt ein Spiegel. In seiner Tasche verwahrt er Fliegenpilz, der ihm zu Visionen verhilft.
Wenn Tiuspiut sein magisches Ritual absolviert hat, in dem er Kranke heilt und in die Zukunft schaut, dann nimmt er seinen Kopfputz ab und ruht sich aus. Nach dem Ritual ist er immer sehr müde und erschöpft und sieht älter aus. Seine Haare sind zu einem geteilten Knoten gebunden, einer Frauenfrisur. Das weist auf seine Wandelbarkeit hin, denn als Schamane kann er sich auch als Frau erfahren. Unter dem Lederkostüm, zu dem auch ein Paar Lederschuhe gehört, trägt er einen Anzug aus blaugemustertem, japanisch anmutendem Stoff.

2. Savaripa, der Jäger

Er trägt ebenfalls lange Haare in einem lockeren Nackenknoten. Mit weiten Hosen, Strohsandalen und einer Jacke bekleidet streift er durch die Landschaft. Sein Bogen ist aus Wachholderholz und kann daher die winzigen Bambuspfeile, die mit echten Federn ausgestattet sind, abschießen. Ein mit Stoff bezogener Köcher enthält die Pfeile. Er wird eines Tages erkennen, dass er durch die Jagd gegen das karmische Gesetz verstößt, und wird das Gelübde aussprechen, keinem Wesen zu schaden. Als Savaripa ist er in der indischen Legende einer der 84 heiligen Wundertäter enthalten, der "Mahasiddhas".

3. Prinzessin Lakshminkara

Auch sie entstammt dem Kreis der 84 Mahasiddhas und ist als Prinzessin geboren worden. Da sie aber nach spiritueller Erfüllung strebte, widersetzte sie sich vergeblich der Vermählung mit einem König. Sie weigerte sich, ihre Rolle als Gattin des Herrschers anzutreten, indem sie sich verrückt aufführte, ihre Kleider abwarf und ihren ganzen Körper mit Asche beschmierte, wie es die Yogis Indiens zu tun pflegten. Sie ließ niemanden näherkommen, bis man sie endlich gehen ließ. In der Einsamkeit meditierte sie, bis sie die Erleuchtung erfuhr. Von da an zog sie viele Gläubige an sich, die sie als ihren Guru verehrten. Auch ein Diener des Hofes folgte ihr als ihr Jünger. Endlich kam der König auf der Jagd in ihre Nähe und sah, dass ein Licht von ihrem Körper ausging. Er bat, ebenfalls als Jünger dieser Heiligen angenommen zu werden, aber sie unterrichtete ihn nicht direkt, sondern durch den Diener, der einst dem König den Hof gefegt hatte. Lakshminkara trägt eine in 3 Knoten gebundene Frisur und den Schmuck einer Prinzessin, ein Perlendiadem und viele Armreifen. Selbst ihre Pantöffelchen sind mit Perlen bestickt.
Die Prinzessin hat bei einer guten Freundin eine neue Heimat gefunden.

4. Kaiserin Tongju

Eine Dame des Hofes in mittlerem Alter, gebürtige Chinesin, trägt eine Frisur, die eher auf Tibet schließen lässt. Mag sein, dass sie bei den „westlichen Barbaren“ lebt, wie die Chinesen alles nennen, was sich landeinwärts von ihnen aus befindet. Ihre Herkunft wird von einem verborgenen Detail verraten, von der Form ihrer Füße. Zieht man ihr die Stiefelchen aus und auch die Filzeinlage, kommen winzig kleine, in ihrer Kindheit gebundene Füße zum Vorschein, wie es im Kaiserreich üblich war. Sie trägt die glückverheißenden Farben rot und grün, ein Perlendiadem aus Korallen und Türkisen in ihrer kunstvollen Frisur, eine schmale Jacke, weite Hosen und darüber einen vorn offenen Rock. Ihre perlenbesetzte Schärpe kann auf verschiedenste Art gebunden werden; je nachdem, wo sie einen Staatsbesuch absolviert, in Europa, Indien oder Pakistan, trägt sie dieses Kleidungsstück als Schultertuch, als Turban oder als Kopftuch.

1 Der Yogi Sönam Gjälpo

Sein Name bedeutet „Verdienstreicher Sieger“. Er ist ein buddhistischer Meister, der jedoch keine Mönchsgelübde genommen hat, also nicht in Zölibat lebt. Zum Zeichen seines Standes trägt er die Haare sehr lang und hinter dem Kopf zusammengebunden, bisweilen auch als Knoten auf dem Kopf. Er trägt gelb und dunkelrot als Farben des Buddhismus. (eigentlich müsste noch etwas Weißes dabei sein zum Zeichen, dass er kein Mönch ist). Sein Gesichtsausdruck ist in sich gekehrt, zugleich trägt er aber einen Zug von Humor, der ihm aus seiner Sicht der Vergänglichkeit alles Irdischen entstanden ist. Da er durch seine tiefgründige Meditationspraxis den Wahn der irdischen Menschen überwunden hat, aber doch zeitweilig ihr Leben führt -- inklusive Eheleben --, kann er anderen durch seine Einblicke helfen, ihren Alltag aus einer ganz anderen Blickrichtung zu erleben.
Der Yogi ist die älteste Puppe aus dieser Reihe. Im Moment befindet sie sich in zerlegtem Zustand und ist nicht vorzeigbar.